Kampfkunst · Philippinen20. April 2026 · 9 Min Lesezeit

Escrima und Arnis ·
philippinische Kampfkunst in schamanischer Tiefe

Zwei Stöcke, ein Körper, jahrhundertealtes Wissen. Hinter der Klarheit der Technik liegt eine animistische Welt · Ahnen, Geister, Präzision.

Escrima Arnis Schamanisch · schamanische Praxis nach Dr. Mark Hosak
Escrima Arnis Schamanisch · schamanische Tradition

Die philippinischen Kampfkünste werden im Westen meist unter den Begriffen Escrima, Arnis oder Kali geführt. Die Unterscheidung ist teilweise regional (Escrima eher zentralphilippinisch, Arnis der offizielle Nationalsport, Kali älterer, manchmal archaisch konnotierter Begriff), teilweise stilistisch. In der Substanz geht es um eine Kunst, die mit Stöcken, Messern und leeren Händen arbeitet – und die in ihrer Tiefe weit über körperliche Technik hinausgeht.

Dieser Artikel ist ein Spoke zum Hub „Der spirituelle Krieger im Schamanismus". Er betrachtet Escrima und Arnis in der Lesart, die sie als schamanisch grundierte Kriegerkunst verstehen lässt – nicht als bloße Selbstverteidigungs-Systematik.

Die Wurzeln in einer animistischen Welt

Die philippinische Inselwelt war lange vor der spanischen Kolonisation ein Raum, in dem Animismus, Ahnenverehrung und lokale Schamaninnen – die Babaylan – eine zentrale Rolle spielten. Die Krieger dieser Welt (Mandirigma) standen in einer engen Beziehung zu diesen spirituellen Strukturen. Ein Krieger ging nicht ohne Ritual in den Kampf. Ein Krieger trug oft Amulette (Anting-Anting), die bestimmte Kräfte verliehen.

Mit der spanischen Kolonisation (ab 1565) wurde ein Teil dieser Tradition unterdrückt oder in katholische Formen überführt. Aber die Kampfkunst selbst überlebte – teils im Verborgenen, teils verkleidet in Tanz-Formen wie dem Sayaw. Die spirituelle Ebene blieb erhalten, auch wenn sie nach außen hin nicht mehr benannt wurde. In vielen Familientraditionen werden bis heute Rituale vor dem Üben vollzogen, Ahnen angerufen, Segnungen gesprochen.

Ein Escrima-Schlag, der mit Respekt vor den Ahnen geführt wird, fühlt sich anders an als einer, der nur geübte Technik ist. Das ist kein Aberglaube. Das ist Aufmerksamkeit für eine Schicht, die westliche Kampfsport-Kultur oft vergessen hat.

Struktur der Kunst

Escrima/Arnis arbeitet mit zwei markanten Eigenheiten, die es von vielen anderen Kampfkünsten unterscheiden:

Waffe zuerst

Im Unterschied zu Karate oder Taekwondo beginnt Escrima nicht mit leeren Händen, sondern mit dem Stock (Bastón oder Olisi, meist aus Rattan). Die Idee: wer zuerst mit Waffe geübt hat, bewegt sich auch mit leerer Hand präziser – weil seine Körperachse durch die Handhabung der Waffe strukturiert wurde. Das ist eine ungewohnte Pädagogik, aber sie funktioniert auf eine eigene Weise.

Flow und Reaktion

Die Praxis arbeitet stark mit Partnerdrills, bei denen zwei Übende in hoher Geschwindigkeit Bewegungen tauschen. Die Kunst ist nicht primär eine Sammlung statischer Techniken, sondern eine Verfeinerung der Reaktion. Der geübte Escrima-Praktizierende soll in jeder Situation flüssig reagieren können, ohne den Kopf zwischen Reiz und Antwort schieben zu müssen. Das ist eine schamanische Qualität.

Die schamanische Dimension

In einer ernsthaft praktizierten Linie werden mehrere schamanische Elemente spürbar:

  • Ahnenbezug · viele Stile führen auf einen Gründer zurück, dessen Name in der Praxis angerufen wird · die Linie ist nicht abstrakt, sondern konkret verbunden
  • Amulettkultur · Anting-Anting-Praxis in manchen Traditionen · die Frage, was einen Krieger schützt, wird nicht nur physisch, sondern auch spirituell beantwortet
  • Namensgebung · wer eingeführt wird, bekommt in manchen Linien einen neuen Namen · das ist ein schamanischer Akt der Identitätsverschiebung
  • Geste vor der Praxis · in vielen Linien wird vor dem Üben geräuchert, geweiht oder ein kurzer Segen gesprochen · die Praxis wird damit zum Ritual, nicht nur zur Übung

Nicht jede Escrima-Schule pflegt diese Elemente. Im modernen Sport-Arnis sind sie oft verblasst. Aber in den Familienlinien, in denen die Kunst noch in ihrer Ganzheit bewahrt wird, sind sie präsent und selbstverständlich.

Was Escrima dem spirituellen Krieger gibt

Für jemanden, der den schamanischen Krieger-Weg geht, öffnet Escrima einige Dinge, die andere Künste nicht so direkt anbieten:

Klarheit in der Reaktion

Durch die schnellen Partnerdrills lernt der Körper, im Moment zu entscheiden. Das Denken wird aus dem Weg geräumt. Wer das einmal im Körper hat, trägt es auch in andere Lebensbereiche – in schwierige Gespräche, in Notfallsituationen, in Augenblicke, in denen schnelles Handeln gefragt ist.

Respekt für die Waffe

Die Waffe im Escrima ist nicht ein aggressives Werkzeug, sondern ein Verlängerungsstück der Absicht. Wer den Stock richtig hält, bewegt sich anders, als wer ihn schwingt. Der Stock lehrt eine bestimmte Form von Ernst – und dieser Ernst öffnet einen neuen Raum der Aufmerksamkeit.

Verbindung zu einer animistischen Kriegerwelt

Für Menschen, die vor allem aus europäischen und asiatischen Traditionen kommen, ist die Begegnung mit der philippinischen Kriegerwelt oft eine Erweiterung. Eine Welt, in der Ahnen und Amulette selbstverständlich sind, in der die Trennung zwischen Körperlichem und Geistigem nie vollständig vollzogen wurde. Das ist ein Zugang zum Kriegertum, den einige westliche Sucher erst hier finden.

Escrima in der Shamanic-Worlds-Praxis

Bei Shamanic Worlds fließt Escrima – wie Bagua, wie Taichi, wie das Ninjutsu – als Körperelement in den breiteren schamanischen Weg ein. Es wird nicht als eigenes Kampfsport-Angebot geführt. Wer die körperliche Disziplin der philippinischen Künste in ihrer Tiefe üben will, findet dafür spezialisierte Schulen; ein Teil davon verweist wieder zurück zur philippinischen Tradition.

Bei uns geht es darum, die Haltungen und Reaktionsqualitäten der philippinischen Krieger-Tradition in die schamanische Arbeit zu integrieren. Das bedeutet: klar reagieren können, die Waffe der eigenen Absicht respektieren, den Ahnen des eigenen Weges Gehör schenken. Das sind Qualitäten, die jeder spirituelle Krieger unabhängig von seiner konkreten Schule gebrauchen kann.

Tengu Akasho Dōjō · Körperliche Übertragung

Die körperlich-technische Ebene der Escrima-Arbeit wird im Tengu Akasho Dōjō berührt, dort im Kontext der breiteren Kampfkunst-Linie von Dr. Mark Hosak. Wer den physischen Weg intensiv gehen will, findet hier die passende Ergänzung zur schamanischen Tiefe bei Shamanic Worlds.

tengu-akasha-dojo.de

Philippinische Kampfkunst im schamanischen Rahmen

Escrima und Arnis fließen als Körperelement in die Praxis des Meisterwegs ein. Die schamanische Tiefe ist das Zentrum, nicht der Wettkampf.

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Forschungsschwerpunkt rituelle Körperpraxis.