Ägypten20. April 2026 · 8 Min Lesezeit

Sekhmet · die löwenköpfige
Kriegerin Ägyptens

Ihr Name heißt „die Mächtige". Sie ist die Tochter Ra's, geboren aus seinem Zorn. In ihrer Gegenwart kann keine falsche Bindung bestehen · kein faules Gift, keine halbherzige Beziehung.

Sekhmet · die löwenköpfige Kriegerin

Wer eine ägyptische Löwin mit einer Sonnenscheibe auf dem Kopf und einer Uräus-Schlange an der Stirn sieht, hat Sekhmet vor sich. Ihr Name – das gleiche Wort wie Sekhem, die vollmächtige Kraft – bedeutet schlicht „die Mächtige". Sie gehört zu den eindrucksvollsten Figuren des ägyptischen Pantheons. Und sie ist unbequemer als die meisten anderen. Sie kommt, wenn etwas gesprengt werden muss, das zu lange gehalten wurde.

Dieser Artikel vertieft ein Thema aus der Ägypten-Übersicht „Ägyptischer Schamanismus · Götter, Mysterien, Ma'at" auf.

Der Mythos · die Rächerin Ra's

Die bekannteste Sekhmet-Geschichte erzählt von einem Moment des Ärgers des Sonnengottes Ra. Die Menschen hatten sich von ihm abgewandt, plotteten gegen ihn. Ra sandte Sekhmet – geboren aus seinem eigenen Zorn – auf die Menschen herab. Sie machte sich an die Arbeit und tötete, mit einer Gründlichkeit, die ihr eigen ist. Aber der Zorn wurde Ra zu viel. Er wollte die Menschheit nicht auslöschen. Doch Sekhmet war im Rausch und hörte nicht auf.

Die anderen Götter rieten zu einer List. Sie bereiteten ein großes Bassin mit Bier, das rot gefärbt wurde wie Blut. Sekhmet sah es, hielt es für Menschenblut, trank bis zur Erschöpfung und schlief ein. Als sie aufwachte, war der Zorn verflogen. Sie war wieder Hathor – ihr sanfteres Gesicht. Die Menschheit war gerettet.

Sekhmet und Hathor sind zwei Seiten derselben Gottheit. Wer sie als getrennt denkt, verpasst beide. Das zornvolle Rot und die liebende Musik sind in ihr ein und dasselbe Herz.

Ihre Funktionen

Sekhmet hat in der ägyptischen Tradition mehrere Funktionen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken, aber innerlich zusammenhängen:

Kriegerin und Zerstörerin

Sie wird angerufen, wenn Feinde abgewehrt werden sollen. Der Pharao ruft sie vor der Schlacht. In Tempeln wurde sie gebeten, schädliche Einflüsse zu vernichten.

Schutz vor Krankheit und Angriff

Paradoxerweise ist Sekhmet auch eine Schutzgöttin gegen Krankheit. Die Ägypter verstanden Krankheit oft als Angriff böser Kräfte. Sekhmet, die die Kraft hatte, die Menschen zu zerstören, konnte auch die Kräfte, die einen Menschen angriffen, zerstören. Sie wurde deshalb in Heilkontexten angerufen – mit der Bitte, das, was krank macht, zu vernichten.

Herrin der Sekhem-Energie

Ihr Name ist identisch mit dem Wort für die vollmächtige Kraft. Sie verkörpert diese Kraft in reiner Form. Wer Sekhem arbeitet – und dies ist die Basis vieler schamanisch-energetischer Arbeiten –, arbeitet implizit in ihrem Feld. Siehe dazu auch Energie in der schamanischen Kampfkunst.

Die tausend Namen

Ein Pharaonen-Tempel in Theben bewahrte siebenhundert Sekhmet-Statuen – eine für jeden Tag und jede Nacht des Jahres, damit an jedem Zeitpunkt des Jahres eine Sekhmet-Statue angerufen werden konnte. Viele davon stehen heute in Museen in ganz Europa. Ein Besuch bei einer dieser Statuen ist oft tiefer, als man erwartet. Sie strahlen Präsenz aus, auch nach dreieinhalb Jahrtausenden.

Opfergaben und Farben

  • Rot · ihre Farbe · vor allem dunkles Rot
  • Bier · in Anspielung auf den Mythos
  • Geopfert wird nicht zimperlich · scharfe Speisen, kräftige Getränke
  • Räucherwerk · kräftig, nicht süßlich · Myrrhe, feuriges Olibanum
  • Sonnenlicht am Mittag · wenn die Sonne am heißesten scheint
  • Musik und Tanz · besonders Trommelrhythmen

Sekhmet für den modernen Praktizierenden

Sekhmet ist nicht für jeden Tag. Aber sie ist für bestimmte Momente unersetzlich. Wer in einer Situation steht, in der etwas Falsches zu lange gehalten wurde – eine toxische Beziehung, ein zerstörerisches Muster, eine überfällige Entscheidung –, kann sie anrufen. Ihre Präsenz hilft, den entscheidenden Schnitt zu machen. Ohne Umschweife. Ohne Sentimentalität.

Das hat eine Kehrseite. Wer Sekhmet anruft, sollte wissen, worum er bittet. Sie ist nicht zart. Sie macht nicht Kompromisse. Die westlich-esoterische Tendenz, jede Göttin als sanfte Mutter zu imaginieren, wird bei ihr gnadenlos korrigiert. Das ist ihr Geschenk: sie lehrt, dass weibliche Macht nicht identisch mit Weichheit ist.

Sekhmet bei Shamanic Worlds

In der ägyptischen Praxis bei Shamanic Worlds wird Sekhmet in spezifischen Ritualkontexten gerufen, insbesondere wenn es um Abgrenzung, um das Beenden von falschen Verbindungen, oder um Schutz vor starken äußeren Einflüssen geht. Sie wird nicht leichtfertig angesprochen – aber wenn sie zur richtigen Zeit gerufen wird, ist ihre Wirkung oft unmittelbar spürbar.

Für Frauen, die lange in zu sanften Rollen gefangen waren, ist die Begegnung mit Sekhmet häufig ein Befreiungs-Moment. Für Männer, die ihren inneren weiblichen Anteil nur in verweiblichten Stereotypen kennen, öffnet sie eine neue Dimension. In beiden Fällen: sie verändert etwas, was vorher feststand.

Die Mächtige anrufen

Sekhmet-Rituale geschehen in spezifischen Arbeitsphasen der ägyptischen Linie bei Shamanic Worlds. Sie werden in Live-Events mit klarer Vorbereitung angelegt.

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